> Kontakt > Presse > Sitemap  

 
  Start
  Aktuelles
  Häufige Fragen
  Brücke
  Brückenfakten
  Tunnel?
  UNESCO
  Bürgerinitiative
  Unterstützer
 

 

UNESCO

Eine Reise um die Welt...
Bericht von der Reise zur Tagung des Welterbekomitees in Christchurch

„Wer nicht nach Singapur will, sollte sich jetzt entscheiden“ - so locker wurde der Start des Jumbos in der Kabine angekündigt. Eher beklemmend war dann allerdings der Rest der Reise - fast zwölf Stunden im Mittelsitz zwischen zwei Unbekannten. Kurze Verschnaufpause in Singapur, dann sechs Stunden bis Sydney, und noch mal drei Stunden bis Christchurch, Südinsel Neuseeland, Ort der 31. Sitzung des Welterbekomitees.

Ankunft im regnerischen Winter Neuseelands, und noch am Ankunftsabend, kopiert beim Zweiten Bürgermeister, der Text des Beschlussvorschlags zur Brücke: Sieben Punkte, die beiden wichtigsten: „Das Welterbekomitee ... beschließt, das Dresdner Elbtal auf der Liste der gefährdeten Welterbestätten zu belassen, beschließt weiterhin, ... die Stätte mit sofortiger Wirkung am Tag, an dem der Brückenbau beginnt, von der Welterbeliste zu streichen.“ Konsequent und übereifrig - eine Titelaberkennung auf Vorrat sehen die „Operational Guidelines“ nun mal nicht vor. Irgendeine Erwähnung früherer positiver Einschätzung - Fehlanzeige. Eine ernsthafte, umfassende Analyse des Problems - ein „detailed review“, noch in Vilnius angekündigt - Fehlanzeige. Hier ging es klar um Macht und Politik, nicht um kleinkrämerische, etwa gar unparteiische Prüfung der Sachlage.

Noch schnell einen Brief der Fraktion an die Mitglieder des Welterbekomitees über die Rezeption im Hotel verteilt, und dann ein Tag Pause, auch von der Brücke und von politischem Streit. Ausflug der drei Dresdner Feßenmayr, Dr. Kempe und Dr. Böhme-Korn nach Akaroa, dem Ankunftsort der Europäer auf der Südinsel. Idyllischer kleiner Ort an einer malerischen Bucht - und, die Welt ist klein, zwei junge Leute aus Deutschland jobbend in der ersten Gaststätte. Am Sonnabend dann begann die Tagung, Anmeldung und eher zufällig erstes Gespräch mit der Chefin für Europa und Nordamerika des Welterbezentrums, Frau Dr. Rössler. Allerdings hatte sie - berechtigt - sehr wenig Zeit ganz kurz vor der Eröffnung, und auch wenig Verständnis für unsere Position.

Das Welterbekomitee habe nun mal so entschieden, das sei unabhängig und souverän.

Dann beeindruckender Empfang, mit Maori -Tänzen, vielen Reden und auch viel Show - mit Prominenz bis zur Ministerpräsidentin. Man spürte schon, auch im weiteren Verlauf: Die Tagung des Welterbekomitees war ein hochrangiges Ereignis für ein Land fernab der Welt (2000 km bis zur nächsten Kneipe, wie eine Bar im Flughafen warb). Und: Die Maori scheinen einen geachteten Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Die Reden waren zum Teil auf Maori, selbst die Ministerpräsidentin verzichtete nicht darauf. Beim Abendempfang dann konnte ich Mitgliedern des nationalen Welterbekomitees Neuseelands einiges zur Brücke erläutern - allein: geholfen hat es letztlich nicht. Am Sonntag dann volles Programm - die Tagung platzt inhaltlich aus allen Nähten, sinnvolle Arbeit ist da schwer.

Beispiele aus dem Zeitplan der Tagesordnung: Zustand von Welterbestätten in Gefahr: 31 Stätten x 17 Minuten = 8:30 h, Zustand eingeschriebener Welterbestätten: 10 Stätten x 13 Min. + 40 Stätten x 10 Min. + 60 Stätten x 1 Min. = 9:40 h (die Rechnung ist, wie die Beurteilung der Brücke, ein wenig eigenwillig), Nominierungen: 44 Stätten x 15 Min = 11 h usw. usw. Da kann kein Delegierter gründlich prüfen, er muss sich auf die Vorlagen des Welterbezentrums verlassen, dieses hat in der Praxis also die Hosen an.

Die Dresdner Vorlage leider erst am Montag - keine weitere Zeit für ein touristisches Programm. Einführung von Frau Dr. Rössler, voll auf dem Kurs obiger Vorlage, mit diesem Brückenbild auf großen Leinwänden.

Der deutsche Vertreter: wieder Ministerialdirigent Schnelle aus dem Auswärtigen Amt, und wieder eine einzige Enttäuschung. Die rechtlichen Möglichkeiten zur Verhinderung des Brückenbaus seien zwar ausgeschöpft, doch der Stadtrat könne mit zwei Dritteln einen neuen Bürgerentscheid beschließen. Man brauche noch etwas Zeit, um über alternative Möglichkeiten zu diskutieren. Der Schlaich‘sche Entwurf wurde gezeigt. Die Haltung Sachsens - nach dem Grundgesetz zuständig für den Vollzug der Gemeindeordnung und für die Fragen der Kultur - kam mit keinem Wort zur Sprache. Und selbstverständlich kein Wort zur Richtigstellung der Verdrehungen des Welterbezentrums und von ICOMOS in Vilnius. Lange, lange wurde diskutiert. Manchmal Hoffnung - so schlug Chile das Streichen der Drohung mit der Streichung vor, Kuba wies auf die vier Kriterien hin, nach denen Dresden aufgenommen wurde, und die USA erinnerten daran, dass man nicht in Hoheitsrechte eingreifen dürfe. Doch auch Ungeduld - so meinte Kenia, man habe doch nun genug diskutiert - noch ein Jahr sei nicht gerechtfertigt. Dann beantragte Litauen (!) Rederecht für den Dresdner Architekturprofessor Ralph Weber. Kurzes Statement: Ein Tunnel wäre möglich, und die Mehrzahl der Dresdner wolle dies. Keine klare Stellungnahme des Komitees zur alternativen Brücke, ein Tunnel würde wohl eher Freunde finden - woher allerdings die Behauptungen stammen, 19 von 21 Delegieren hätten sich für einen Tunnel ausgesprochen, und bei einer alternativen Brücke sei Einlenken signalisiert, weiß ich nicht. Schließlich - grundsätzlich vernünftig, aber nicht sehr klar - Einigung: Nicht der Start des Brückenbaus sei das Entscheidende, sondern Streichung im Fall, dass die Brücke einen unumkehrbaren Einfluss auf den „outstanding universal value“, den herausragenden universellen Wert der Welterbestätte, hat. Und Deutschland wird gebeten, bis zum 1. Oktober alternative Vorschläge vorzulegen. Die sollen dann durch ICOMOS bewertet und zur nächsten Sitzung vorgelegt werden.

Grundsätzlich mildert das die Vorlage schon ab und ließe bei gutwilliger Interpretation Spielraum für die Einschätzung der Brücke. Doch damit kann man beim Welterbezentrum wohl kaum rechnen. Nach dem Beschluss noch mal kurzes Gespräch mit Frau Dr. Rössler und Herrn Schnelle. Sie waren sich einig: die Welterbekonvention müsse schnellstens in deutsches Recht umgesetzt werden, damit Beschlüsse dann auch binden. Ich habe beiden gesagt, die Bindungswirkung wird auch dann nicht eintreten - dazu ist das Verfahren viel zu wenig rechtsstaatlich. Dann wurde von beiden sogar behauptet, die Bewerbung sei, wie immer sie Dresden verlassen habe, ohne die Anlage zur Brücke in Paris eingegangen. Schwer zu glauben - die Vorlage des Welterbezentrums selbst für Vilnius spricht von Bildern der Brücke in der Bewerbung. Und auf jeden Fall hat ICOMOS schon 2004 die Brücke gründlich vor Ort studiert und im Bericht auch explizit erwähnt. Ich habe Frau Dr. Rössler noch ein langes, deutliches E-Mail mit meiner Meinung und einer Reihe von Unterlagen geschickt. Bewirken wird es sicher nichts, doch wir sollten uns nicht unnötig ducken.

Abreisetag Dienstag, noch vor dem ersten Hahnenschrei - doch der Shuttle zum Flughafen tauchte nicht wie bestellt um 4:15 Uhr auf. Warten, in höchster Not dann Taxi. 55 Minuten vor Abflug schließlich am Schalter - Check-in jedoch nur bis eine Stunde vor dem Start - eisern, ohne Ausnahme. Nein, kein weiterer Flug nach Sydney heute. Ratlosigkeit. Am Schalter der australischen Fluglinie Qantas schließlich Freundlichkeit: Es ginge noch ein Flug nach Auckland, auf die Nordinsel. Dann von dort nach Sydney. Und dort würde ich mein Flugzeug nach Singapur noch erreichen. Fazit: War der Hinflug lang, so war der Rückflug länger. Als Sieger kehrte ich gewiss nicht heim. Aber um einige Erfahrungen - und eine interessante Reise reicher.

Letztlich wird das Elbtal wohl keine Welterbestätte bleiben. Resultat dreier Faktoren: Zunächst war die Vorbereitung durch das Welterbezentrum weder professionell noch unparteiisch - hier wurde Politik gemacht, nicht Sacharbeit geleistet. Dann hat der Vertreter Deutschlands nicht das grundgesetzlich zuständige Bundesland, sondern die Meinung des SPD-geführten Auswärtigen Amts vertreten. Deutschlands eigentliche Interessen aber liegen im sauberen, unparteiischen Vollzug der Welterbekonvention - schon wegen der anderen deutschen Welterbestätten. Da hat Steinmeiers Laden jämmerlich versagt. Und drittens, da mache ich noch den geringsten Vorwurf, die Komiteemitglieder waren vom Gedanken beseelt, das Welterbe zu retten. Besonnene, sachliche Hinterfragung gab es allenfalls in Ansätzen, und für irgendwelche Vorbereitungen fehlte schlicht die Zeit.

Der Verlust ist sicher schade. Aber die Medaille hat zwei Seiten: Man stelle sich mal vor: die selbe Prozedur bei jedem Vorhaben im Welterbegebiet. Keine Theorie, nach dem Erfolg von Blobel und Co. beginnt das Anschwärzen Volkssport von in rechtsstaatlichen Verfahren Unterlegenen zu werden - zur Hochwasserschutzmauer in Pieschen musste Dresden der Unesco schon berichten. Da tröstet es: Dresden kann sein Schicksal wohl bald wieder ganz in die eigenen Hände nehmen. Das ist Dresden bisher gut bekommen: Dresden ist nicht trotz, sondern wegen seiner Bürger zu dem geworden, was es heute ist. Dresden muss man nicht vor den Dresdnern schützen.

Stadtrat Dr. Georg Böhme-Korn

drucken


  Meine Meinung

Kurt Damme, Dresden:
"Dank all denen, die einer demokratischen Entscheidung zum Leben verhelfen."

  Meine Meinung

Ulrich Tölke, Dresden, Seit die Albertbrücke nur beschränkt befahrbar ist, wird deutlich, wie wichtig die schnellstmögliche Fertigstellung der Waldschlösschenbrücke ist.

  Meine Meinung

Hans-Jürgen, Fritsch, Dresden, Ich bin stolz, von Anfang an Brückenbefürworter gewesen zu sein. Jetzt, wo die Konturen der Brücke offensichtlich zu erkennen sind, erst recht!

  Meine Meinung

Roland Hesbacher, Hoyerswerda,
Auch Nichtdresdener warten sehnsüchtig auf die Fertigstellung der Waldschlößchenbrücke!!

  Meine Meinung

Dietmar Lehnert, Dresden: Diese Brücke wird die neue Aussichtsplattform Richtung Altstadt.

  Meine Meinung

Steffi Walser, Rottenburg, Liebe Brückenbauer, auch im Süden Deutschlands verfolgen wir das heimatliche Geschehen weiter und hoffen sehr, dass die Brücke bald steht.

  Ihre Meinung?

Werden Sie Unterstützer der Waldschlößchenbrücke?

  Unterstützer


> Autoaufkleber
> Banner

  Bilder

> Bilder vom Brückenbau
> Bilder vom Brückenpicknick
> Brückengalerie Autoaufkleber
> Galerie Bau und Picknick

  Quellen

Interessante Quellen und Originaldokumente

 

 
    Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke   Impressum